Hier fühle ich mich richtig wohl!

Ein spektakulärer Raum, ohne Zweifel. Aber man braucht gute Nerven, um hier mit einer Familie glücklich zu wohnen.

Welcher Raum, welche Farben, welche Einrichtung tun mir gut? Wer auf diese Fragen der Wohnpsychologie die richtige Antwort kennt, lebt zufriedener und gesünder.

Wie geht es Ihnen in einer offenen Küche? Mögen Sie es, wenn im Wohnbereich nebenan der Fernseher läuft und am Tisch die Kinder herumpuzzeln? Oder fehlt Ihnen dann die Konzentration beim Kochen? Und andersherum: Mögen Sie es, vor dem Fernseher zu sitzen oder ein Buch zu lesen, wenn in der offenen Küche gewerkelt und gebrutzelt wird? Oder fühlen Sie sich abgelenkt und gestört?

Die offene Wohnebene, in der die Bereiche für Kochen, Essen und Wohnen fließend ineinander übergehen, ist ein Fall für Wohnpsychologen. Denn hier lässt sich sehr schön erkennen, wie sich die Bedürfnisse der Bewohner nach Kommunikation und Kontakt, aber eben auch nach Ruhe und Konzentration ausprägen. Wer im Familientrubel so richtig aufblüht, dem kann gar nichts Besseres passieren als diese Form der Architektur, die immer beliebter geworden ist. Aber wer hier vor lauter Unruhe ganz kribbelig wird? Der wünscht sich vielleicht doch eine Wohnküche und hat am besten noch einen Rückzugsraum, ein Arbeits- oder Gästezimmer mit einem gemütlichen Sessel.

Räume haben Macht über uns. Aber wir neigen dazu, diese Wirkung gering zu schätzen. Okay, in manchen Wohnungen fühlen wir uns wohler als in anderen – aber ist das nicht einfach Geschmackssache? Ist es nicht. Unser Körper reagiert in Sekundenbruchteilen auf jeden Raum, den wir betreten, der Blutdruck, der Puls, der Hautwiderstand, die Gehirnströme, die Atemfrequenz ändern sich. Und diese Reaktion ist ganz individuell und von uns nicht zu steuern.

Sie verstärkt sich natürlich, je länger wir uns aufhalten. Und umso wichtiger ist es, dass zu Hause alle unsere Wohnbedürfnisse erfüllt werden. Das sind:

  • Schutz: Wir müssen uns sicher fühlen. Das ist auch der Grund, weswegen viele bodentiefe Fenster zur Straße hin mit Plissee-Rollos verdeckt werden – Einblicke von außen finden viele Menschen bedrängend.
  • Kommunikation: Wir brauchen Raum, um mit Familie und Freunden reden, freuen, uns streiten zu können, natürlich ungestört.
  • Intimsphäre: Jeder braucht einen Rückzugsraum, wie groß oder klein auch immer. Deswegen raten Fachleute wie der Architekturpsychologe Peter Richter zu einem eigenen Zimmer für jedes Familienmitglied – nicht nur für Kinder, für die das ein entscheidender Faktor ihrer Persönlichkeitsentwicklung ist.
  • Komfort: Wir wollen es schön und bequem haben: mit einem großen Tisch in der Küche, behaglichen Sofas, begehbaren Schränken oder programmierbaren Jalousien – was immer für uns wichtig und hilfreich ist.
  • Repräsentation: Ob Holzhütte oder Glaspalast, Grasdach oder Stahl – Haus oder Wohnung gehören zu den wichtigsten Ausdrucksformen, unsere Persönlichkeit darzustellen.

Den Grund nennt der Architekturpsychologe Riklef Rambow: „Der Zusammenhang zwischen dem Einrichten und dem Selbstbewusstsein ist ganz stark. Ähnlich wie mit der Kleidung. Der eigene Raum kann als Erweiterung der Identität betrachtet werden. Je besser man sich kennt, umso sicherer nimmt man Dinge, die zu einem passen.“

Entspannende Räume tun uns gut, sie beeinflussen die Gesundheit positiv. Das belegen auch Studien. Ungemütliche, chaotische, unpraktisch geschnittene oder falsch eingerichtete Räume dagegen wirken sich negativ auf unsere Verfassung aus. Sie können dauerhaften Stress auslösen und uns irgendwann krank machen.

Es lohnt sich daher unbedingt, beim Planen, Einrichten und Gestalten genau auf die eigenen und die Bedürfnisse der anderen Familienmitglieder zu achten. Nicht zuletzt auf die richtigen Farben. Denn die haben eine besonders starke Wirkung auf das Wohlbefinden. Ein Beispiel: In einem kräftig-rot gestrichenen Raum liegt der Ruhepuls im Durchschnitt zehn Pulsschläge höher als in einem sanft-grünen. Wir können Stimmungen sehr wirkungsvoll mithilfe von Farben steuern, um Aktivierung oder Entspannung zu fördern. Welche tun Ihnen gut? Probieren Sie es aus!

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