Smart Home: Big Brother oder Big Butler?

Smart Home: Big Brother oder Big Butler?

Erinnern Sie sich noch an Tom Cruise im Hollywood-Blockbuster „Minority Report“, als er elegant mit Spezial-Handschuhen riesige Hologramme im Raum bewegte und bediente? Damals 2002 eine revolutionäre Zukunftsvision, heute Realität – zwar steuern wir noch keine schwebenden Hologramme per Handbewegung, dafür aber nahezu alle elektronischen Geräte in Büro und Haushalt. Und wir brauchen noch nicht einmal Handschuhe dafür, das Smartphone oder Tablet genügt meist. Doch was bringt uns diese schöne neue Technikwelt, bei der wir vieles mit einem Fingerstreich bedienen können? Ist die intelligente Technik wirklich immer so sinnvoll, wie es uns die Elektronikindustrie vermitteln möchte?

 

Auf alle Fälle praxistauglich sind die technischen Neuerungen, die uns beim Energiesparen helfen. Wenn etwa die Heizung mit dem Fenster spricht und sich automatisch abschaltet, weil gerade gelüftet wird. Die dazu nötigen Smart-Home-Systeme mit einem Server, über den die Heizung, die Sicherheitsanlagen und der Wohnkomfort automatisch gesteuert werden, sind heute dank fortgeschrittener Funktechnologie viel einfacher einzubauen als früher und wesentlich günstiger als die älteren, verkabelten Systeme. Es gibt bereits Komplettlösungen unter 1.000 Euro.

 

Dass die Daten per Funk übertragen werden, ist allerdings auch ein Nachteil. Manch einen schreckt der „Elektrosmog“, auch wenn Smart-Home-Komponenten nur wenige Sekunden lang funken. In vielen Fällen ist die Reichweite der Funkübertragung sogar so gering, dass sogenannte Repeater, also Verstärker, zum Einsatz kommen müssen.

 

Heiß diskutiert werden derzeit auch die Themen Datenschutz und -sicherheit. Wie sicher sind die Systeme vor Hackerangriffen? Noch haben die virtuellen Einbrecher das Smart Home nicht wirklich als lukratives Betätigungsfeld entdeckt, aber das liegt wohl eher daran, dass es noch zu wenige der vernetzten Häuser gibt. Den Geräteherstellern jedenfalls ist die Problematik bekannt, weshalb alle Qualitätsanbieter auf Verschlüsselungstechniken setzen. Manche Hersteller lassen sogar Hacker Sicherheitslücken in ihrem System aufspüren, um den Kriminellen einen Schritt voraus zu sein. Schwachstellen sind vor allem Geräte, die unverschlüsselt mit dem Server kommunizieren, aber auch mit dem Internet verbundene Fernseher können zum Einfallstor von Cyber-Kriminalität werden. Achten Sie daher beim Kauf von Smart-Home-Komponenten auf möglichst hohe Sicherheitsstandards.

 

Schön bequem, aber vielleicht nicht immer unbedingt auch notwendig, sind die unzähligen Komfortlösungen, die mit einem vernetzten Zuhause möglich sind. Ein Beispielszenario: Kurz bevor einen der Wecker morgens aus dem Schlaf holt, schaltet sich die Kaffeemaschine in der Küche an und brüht automatisch den „Guten-Morgen-Trank“. Im Bad empfängt einen Radiomusik aus eingebauten Lautsprechern und nach dem Duschen sind die Handtücher bereits angenehm vorgewärmt, weil sich der Heizkörper im Bad rechtzeitig eingeschaltet hat. Dann anziehen, den frischen Kaffee genießen und frühstücken. Mit dem Autoschlüssel in der Hand betätigt man noch den „Alles-aus-Schalter“ neben der Haustür, durch den sämtliche unnötigen Stromverbraucher abgeschaltet, die Heizung auf Abwesenheitsmodus und die Alarmanlage scharf gestellt werden. Das Elektroauto wartet schon vollgetankt durch das hauseigene Minikraftwerk in der Garage. Vorher noch ein Blick aufs Handy, ob auch wirklich alle Fenster geschlossen sind und auch sonst keine Warnmeldung erscheint, und los geht’s in die Arbeit.

 

Zu vielen dieser Annehmlichkeiten ist übrigens noch nicht einmal eine Vernetzung des gesamten Hauses nötig, moderne Kaffeebereiter beispielsweise können das heute auch ganz von allein. Denn mittlerweile sind viele neue Haushaltsgeräte programmierfähig und lassen sich per App bedienen. Auch wer kein spezielles Smart-Home-System sein Eigen nennt, „vernetzt“ also mehr oder weniger sein Zuhause. Welche der vielen Optionen man davon wirklich nutzen möchte, muss und soll jeder selbst entscheiden. Schließlich regulieren Angebot und Nachfrage den Markt. Gutes Beispiel: der selbsttätig einkaufende Kühlschrank, der floppte, weil sich kaum einer von seinem Kühlschrank abhängig machen wollte. Kein Wunder, ist doch das Haus als Big Brother, der seine Bewohner überwacht, alles andere als erstrebenswert.

 

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