Starkes Material: Möbel aus Papier und Pappe

Zu 100 Prozent aus Altpapier bestehen die aufblasbaren Sitzkissen des „Blow Sofas“ von Malafor. Gummibänder halten sie in Position.

Die traditionellen japanischen Shoji-Schiebetüren hat fast jeder schon einmal gesehen, und sei es nur in einem Film. Die filigranen Papierwände, durch die das Licht hindurchscheinen kann, sind wohl das bekannteste Einrichtungselement aus Papier. Noch relativ unbekannt ist jedoch, dass das Material viel mehr kann: Aus Papier werden neben Leuchten auch verblüffend stabile Stühle, Betten und Sofas hergestellt, und diese Papiermöbel liegen voll im Trend, vor allem wenn sie umweltfreundlich aus Recyclingmaterial produziert werden.

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist Papier ein äußerst robustes und stabiles Material. Gefaltet oder mehrlagig aufgebaut kann es hohe Lasten tragen. Neben seiner leichten Verarbeitbarkeit ist es obendrein auch noch günstig und einfach zu transportieren. Bereits in den 1960er Jahren haben Designer daher mit Pappe oder Papier in der Möbelproduktion experimentiert. Einer der bedeutendsten Architekten der Gegenwart Frank O. Gehry war es, der 1972 mit dem Entwurf seines Stuhls „Wiggle“ aus Wellkarton für Furore sorgte.

Was die wenigsten wissen: Auch die bekannten Loom-Möbel sind zum Großteil aus Papier gefertigt. Der Amerikaner Marshall Burns Lloyd entwarf die Korbmöbel Anfang des 20. Jahrhunderts als Alternative zu Rattanmöbeln, indem er Papier um feine Metalldrähte zu einem festen Strang drehte und daraus Geflechtmöbel herstellte.

Nichtsdestotrotz führten und führen Papiermöbel ein Nischendasein, das jedoch in den letzten Jahren von immer mehr Menschen entdeckt wird. Die Zellulosemöbel sind auf dem Vormarsch. Das mag neben den bereits genannten Gründen auch an der Nachhaltigkeit des Materials liegen. Ein Papiermöbel kann in der Regel problemlos recycelt werden.

Vor allem für Leuchten ist Papier ein perfektes Material, da es durch seine Filigranität eine hohe Lichtdurchlässigkeit besitzt. Wer jetzt an die 08/15-Papierkugeln denkt, die es in jedem Baumarkt zu kaufen gibt, hat noch nicht die aktuellen Lichtskulpturen aus Papier gesehen. Von romantisch-verspielt bis zu geometrisch-sachlich ist für jeden Einrichtungsstil etwas dabei.

Wie gesagt, werden aber auch richtige Möbel aus Papier oder Pappe produziert. Haltbarkeit und Stabilität erhalten die Betten, Tische und Sofas meist durch mehrfaches Falten des Materials. Werden sie rundum lackiert oder versiegelt, können sie sogar in Feuchträumen oder im Outdoorbereich eingesetzt werden. Durch die Leichtigkeit von Karton lassen sich die Möbel besonders einfach transportieren. Das macht sich seit 2013 auch das Berliner Start-up-Unternehmen ROOM IN A BOX zunutze. Die Geschäftsidee: Die Firma vertreibt eine Zimmereinrichtung mit Möbeln aus Pappe, die zusammengefaltet alle in einer einzigen Kiste verpackt werden können. Dabei sind die Möbel zu 80 Prozent aus Recyclingpapier und können zu 100 Prozent wiederverwertet werden.

Papier regt zum Selbermachen an, schließlich hat man damit bereits im Kindergarten gebastelt. Geschickte Do-it-yourselfer, die vielleicht schon einmal Origami ausprobiert haben, können sich ihre Möbel aus Papier daher durchaus auch selbst falten. Das Internet ist voll mit Anleitungen und Anregungen. Nur ein Beispiel: Auf www.foldschool.com gibt es kostenlose Schnittmuster und Faltanleitungen für Kinderstuhl und -hocker. Auch ein Schaukelstuhl kann nachgebaut werden. So geht’s: Schnittmuster ausdrucken, auf Karton pausen, ausschneiden und falten!

 

Teile deinen Geschmack!

Sie haben bereits abgestimmt!