Die Kunst des Weglassens: minimalistisch wohnen leicht gemacht

Damit der minimalistische Einrichtungsstil nicht kühl wirkt, kann man „wärmende“ Elemente einstreuen, wie bei dieser Lösung mit Teppichläufer und elegantem Bett aus Holz von Team 7.

„Einfach ist mehr“ – die Marketingberater des Discounters Aldi setzen mit ihrem aktuellen Werbeslogan ganz bewusst auf die neue Lust an der Einfachheit, die vor allem immer mehr junge Menschen spüren. Psychologen und Soziologen sehen in diesem neuen Minimalismus eine Gegenbewegung zum Überfluss an Konsumgütern, dem wir uns alltäglich ausgesetzt fühlen. Wir wollen uns vom Unwesentlichen befreien. Im Bereich des Wohnens hat sich die Kunst des Weglassens schon längst etabliert. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Schritt für Schritt einfach leben, indem Sie minimalistischer wohnen, ohne auf Gemütlichkeit und Bequemlichkeit verzichten zu müssen.

Schritt 1: Weniger ist mehr – entrümpeln Sie!
Sich von Dingen trennen, die man nicht benötigt, ist der erste Schritt hin zu einer minimalistischen Einrichtung. Gehen Sie mit offenen Augen durch Ihre Wohnung und überlegen Sie, was Sie wirklich zum Leben brauchen und welche Gegenstände sie entbehren können. Bei den meisten Menschen ist der Kleiderschrank zu voll, die Regale biegen sich vor Deko und Büchern durch und die Abstellkammer ist bis oben unter die Decke zugestellt. Alles, was Sie mindestens zwei Jahre nicht mehr in den Händen hatten oder nur vor sich hin verstaubt, kann in der Regel verschwinden – mal abgesehen von wichtigen Dokumenten und Erinnerungsstücken. Auch ungenutzte Möbel wie Beistelltische, Stühle oder Kommoden sollten Sie auf den Prüfstand stellen. Vielleicht lässt sich ja mit dem einen oder anderen Stück sogar noch Geld machen? Markenklamotten oder Fachbücher zum Beispiel lassen sich gut auf Ebay & Co. verkaufen. Den Rest können Sie verschenken oder an karitative Einrichtungen spenden. Wegschmeißen sollte immer die letzte Alternative sein. Sie werden sehen: Ist der Krempel erst einmal verschwunden, werden Sie sich ungeheuer erleichtert fühlen und Sie können mit dem zweiten Schritt beginnen.

Schritt 2: Freiraum schaffen – bewusst Boden und Wände gestalten
Idealerweise ist die Wohnung nun fast leer, sodass Sie mit wenigen ausgesuchten Elementen einen minimalistischen Rahmen schaffen können. Das übergreifende Gestaltungsmotto dabei muss lauten: Ruhe schaffen.
Zunächst ist der Boden an der Reihe: Wählen Sie einen ruhigen, wenig bis nicht gemusterten Bodenbelag. Glatte Böden sind meist besser im Sinne des Minimalismus als hochflorige Teppiche, die fast immer unruhig wirken. Prima eignen sich Parkett oder Laminat, aber auch großformatige Fliesen. Wichtig: Der Boden sollte eine möglichst großzügige freie Fläche bilden und nicht durch Läufer oder andere Wohnaccessoires verdeckt und unterbrochen werden. Wem das zu kahl und ungemütlich ist, der sollte einen Läufer wählen, der nicht allzu sehr mit dem Bodenbelag darunter kontrastiert. Also auf einem hellen Holzboden auch einen hellen Teppich oder auf dunklen Fliesen eher einen braunen Läufer – jeweils aus der gleichen Farbfamilie.
Dann folgen die Wände: Mustertapeten oder knallige Wandfarben sind tabu. Stattdessen sollten Sie Farben wie Weiß, Grau oder Schwarz einsetzen, die bewusst keine Wirkung erzielen oder wenn, eher eine beruhigende Ausstrahlung besitzen. Mit diesen Tricks nehmen Sie den Raum optisch zurück und geben ihm die Funktion einer Bühne, vor der einzelne Möbelstücke und Accessoires in Szene gesetzt werden können. Strahlend weiße Wände etwa erhalten durch schwarze Wohnelemente und Möbel einen Kontrapunkt, der dem Raum die Kahlheit und das Krankenhausflair nimmt.
Glücklich kann sich schätzen, wer große Fenster besitzt. Denn viel Tageslicht wirkt luftig und leicht und lässt den Raum größer wirken. Im minimalistischen Einrichtungsstil sollten Sie auf eine Fensterdeko in Form von Gardinen möglichst verzichten, sondern stattdessen höchstens eine filigrane Jalousie als Sicht- und Lichtschutz anbringen.

Schritt 3: Klares Design – die richtigen Einrichtungsgegenstände finden
Jetzt sind Sie schon mitten drin im Einrichten. Bestücken Sie Ihre Wohnung mit Mobiliar, das Sie wirklich brauchen. Konzentrieren Sie sich also auf das Wesentliche: ein Bett, einen Tisch, Stühle, eine Küche, ein Sofa. Bei allen Einrichtungselementen gilt: Wählen Sie ein möglichst klares, asketisches oder sogar spartanisches Design. Klassische Formen und gerade Linien, schlanke Beine und filigrane Griffe, die Funktion steht im Vordergrund – minimalistische Möbel sind oft vom Bauhausstil inspiriert.
Wichtig: Vergessen Sie den Stauraum nicht. Denn auch wenn man nur das Nötigste besitzt, will man nicht alles immer um sich herum haben und sehen. Am besten eignen sich dafür Wandschränke, deren Türen flächig mit der Wand abschließen. Denn sie verschwinden optisch fast. Übrig bleibt eine pure Fläche. Wer keine passenden Nischen für solche Einbaumöbel besitzt, kann stattdessen auf Schränke mit schlichten Fronten setzen. Doch Achtung: Nicht zu viel Stauraum schaffen, denn dann ist die Gefahr sehr groß, dass man diesen vollstopft und wieder Unnötiges hortet.
Damit die Wohnung nicht leer und unpersönlich wirkt, können Sie gezielt Dekoelemente stellen. So machen sich zum Beispiel Bilder oder Poster mit grafischen Mustern gut in einem puristischen Ambiente und verleihen ihm einen gewissen Pfiff. Auch eine interessante Stehlampe als Eyecatcher kann Behaglichkeit vermitteln. Doch Achtung: Auch hier gilt – wie immer – weniger ist mehr.

Schritt 4: Dabei bleiben!
Wahre Minimalisten leben bewusst und kaufen auch bewusst ein. Sie verzichten nicht auf Konsum, sondern achten bei Neuanschaffungen auf Langlebigkeit, ein schickes und puristisches Design sowie auf Nützlichkeit. Dazu gehört schon ein bisschen Disziplin. Doch wer dieses Lebensmotto verinnerlicht, wird sich in seinem im minimalistischen Wohnstil eingerichteten Zuhause lange wohl fühlen können.

 

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