Minimalimus: wie viel ist genug?

Mantel oder Schlafsack – was ist wichtiger? In der Komödie „100 Dinge“ mit Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz erleben zwei Kinder der Konsumgesellschaft, wie kostbar die Basics des Alltags sein können.

Mit möglichst wenig auszukommen, ist in unserer Konsumgesellschaft eine der letzten echten Herausforderungen. Das kann eine Komödie wie „100 Dinge“ mit Matthias Schweighöfer hervorbringen – oder eine Wohnung mit viel Raum für persönliche Entwicklung.

„Weniger ist mehr“ – eigentlich kann man den Satz, den einst der Architekt Ludwig Mies van der Rohe prägte, schon längst nicht mehr hören. Aber wenn es um Minimalismus geht, kommen wir um dieses Motto, mit dem Mies seinen Verzicht auf Ornamente am Bau begründet, nicht herum. Dieter Rams, legendärer Produktdesigner der Marke Braun, war ein Seelenverwandter. Seine Devise lautete: „Weniger, aber besser.“ Dazu passt eine Interpretation eines Kreativchefs aus Japan, wo man sich ohnehin auf sparsame Inszenierungen versteht: „Gerade genug.“

Aber wie viel ist „gerade genug“? Das lässt sich am besten erforschen, wenn man erst einmal alles weglässt, um anschließend Stück für Stück in seinem Wert neu zu erleben. Das ist der Plot des Films „100 Dinge“ mit Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz. Zwei Freunde, echte Konsumkinder, beschließen, für 100 Tage ihre Besitztümer einzulagern und jeden Tag nur einen Gegenstand zurückzubekommen. Sie erleben (neben einiger Situationskomik), wie sich dadurch ihre Sicht auf das Leben verändert. Aus achtlosen Konsumenten werden achtsame Minimalisten – ein interessanter Prozess.

In fünf Schritten zum Minimalismus

Nun muss man sich nicht gleich einer Radikalkur wie dieser unterziehen. Aber die Frage „was brauche ich wirklich für ein gutes Leben?“ ist natürlich hochinteressant. Wer die Antwort kennenlernen und auf undramatische Weise dem Minimalismus eine Chance geben möchte, kann das in fünf Schritten tun.

  1. Schritt: Aufräumen

Chaos beseitigen, Ordnung schaffen und jedes Ding an den Platz stellen, an den es gehört. 

  1. Schritt: Ausmisten

Welche Kleidungsstücke habe ich zwei Jahre lang nicht getragen, welche Bücher werde ich nie wieder lesen, welche Möbel und Deko-Gegenstände mag ich längst nicht mehr leiden, welche Bilder und Fotos nehme ich gar nicht mehr wahr? Dann weg damit, verschenken, zum Recyclinghof oder in die Altkleidersammlung bringen.

  1. Schritt: Innehalten

Wie fühlt es sich an, wenn auf einmal so viel Platz ist im Kleiderschrank, im Regal und zwischen den Möbeln? Unbehaglich leer oder überraschend luftig? Diese Wahrnehmung einige Tage wirken lassen und erleben, wie sich das Gefühl zum eigenen Zuhause verändert.

  1. Schritt: Noch mehr Platz schaffen

Es geht ein zweites Mal `ran: Nun werden auch die Dinge, die beim ersten Ausmisten aus Sentimentalität verschont blieben, aus der Wohnung geräumt. Der Effekt wird ein großes Aufatmen sein.

  1. Schritt: neu gestalten

Jetzt besteht die Möglichkeit, eine neue Atmosphäre zu schaffen, in der viel Raum bleibt. Wichtige Grundregel: puristisch gestaltete Einrichtungsgegenstände wählen, viel Platz und Freiraum auf dem Boden und an den Wänden lassen.

Um mit einem weit verbreiteten Irrtum aufzuräumen: Eine minimalistisch gestaltete Wohnung muss überhaupt nicht ungemütlich sein. Schönes Licht, warme Wandfarben und exquisite Möbel können eine überaus behagliche Atmosphäre schaffen. In der viel Platz ist für klare Gedanken und Raum für persönliche Entwicklung.

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