Von Hand zu Hand…Lebensfäden der Familie Licht

Von Hand zu Hand…Lebensfäden der Familie Licht

Die Handweberei ist die große Kunst der Familie Licht aus dem Chiemgau. Schon in zweiter Generation entstehen hier meisterlich gestaltete Schafwoll- und Fleckerlteppiche. Die handgearbeiteten Unikate sind aus reinen Naturmaterialien gefertigt und verwandeln Wohnräume in kreative Lebensräume.

 

Wenn Webermeister Erwin Licht seinen Blick über die stattliche Werkstatt, den kreativ gestalteten Schauraum und das angrenzende Wohnhaus streifen lässt, strahlt er vor Freude. Kein Wunder, ist doch die Simssee Handweberei sein Lebenswerk, der rote Faden, der sich durch die Geschichte zweier Generationen zieht. Mittlerweile lenkt sein Sohn Alfred mit Ehefrau Elke, einer gelernten Textilmustergestalterin, die Geschicke der Manufaktur, doch der Lieblingsplatz des Senior-Meisters ist nach wie vor am Webstuhl oder der Nähmaschine. Flauschig und fest, jedes Stück ein Unikat – die Teppiche aus der Werkstatt von Webermeister Alfred Licht sind alles andere als Massenware. Rund vier Wochen dauert es, bis einer der dekorativen Teppiche fertig ist. Aufs Jahr gerechnet produziert der Familienbetrieb bei Stephanskirchen, 60 Kilometer südlich von München rund 3000 Quadratmeter Handwebteppiche. Verkauft wird meist gleich neben der Werkstatt, wo sich Kunden im Ausstellungsraum Anregungen holen und aus über 400 verschiedenen Mustern, Farben und Strukturen wählen können. Und seit neuestem gibt es auch einen Online-Shop. Die Lichts verschicken kostenlos Muster – „das gehört zu unserem Service dazu“, so Alfred Licht.

 

Wer bei Schafwollteppichen an traditionell wollweißen Bodenbelag denkt, wird hier eines Besseren belehrt: In allen Regenbogenfarben leuchten die Teppichmuster, jeder Teppich aus Schafwolle, Jute oder Baumwolle ist ein Unikat aus nachhaltigem Rohstoff und wird nach Kundenvorgaben in Handarbeit gefertigt. Ökologie wird groß geschrieben, da sind sich Vater und Sohn einig. Jeder der Woll- oder Fleckerlteppiche, der die Werkstatt verlässt, wurde auf einem der Handwebstühle manuell gestaltet. Die hat Vater Erwin in Oberfranken erstanden und in liebevoller Bastelarbeit auf die Bedürfnisse seiner Werkstatt umgebaut. Besonders stolz sind Vater und Sohn auf ihren eindrucksvollen, historischen Webstuhl, der schon mehr als 100 Jahre pausenlos in Betrieb ist und das Holzschiffchen mit dem Garn noch immer in Windeseile hin- und her schießen lässt. Hektik in der Werkstatt, wo überall Kisten mit Wolle und aufgewickelten Stoffstreifen liegen und das Radio fröhlich vor sich hin dudelt, kann man sich kaum vorstellen. Doch je näher die Weihnachtszeit rückt, desto mehr Aufträge kommen rein, erklärt Alfred Licht. Da rattern auch mal alle fünf Webstühle gleichzeitig unter der Regie der ganzen Familie. Neben Alfred, Erwin und Elke Licht sind auch noch Alfreds Schwester Sabine und der Cousin Roland im Familienbetrieb beschäftigt.

 

Flucht nach Bayern

Dass er einmal tief in Bayern landen würde, hätte sich Erwin Licht, der 1938 in Czernowitz in der heutigen Ukraine geboren wurde, nicht im Traum vorgestellt. Doch so bunt und verwickelt wie eines der vielen Wollknäuel in der Werkstatt, gestaltete sich der Lebensweg des Webers: 1940 wurde die Familie nach Polen umgesiedelt, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges musste Erwin fliehen und kam schließlich 1945 mit seiner Familie nach Bayern. 1952 fing Erwin Licht als Lehrbub in einer Weberei an, „eigentlich wollte ich Mechaniker werden, aber da war nach dem Krieg nichts zu kriegen“ verrät der heute 76-jährige und lacht. So arbeitete er sich in die Geheimnisse der Handweberei ein und gründete nach bestandener Meisterprüfung im Jahr 1981 die Simssee-Handweberei. Ehefrau Erika unterstützte ihn tatkräftig, kümmerte sich um die Familie und half aus, wo Hilfe notwendig war, vor allem bei der Beratung der Kunden. Für Sohn Alfred gab es in Sachen Berufswahl keinen Zweifel. Der heutige Innungsobermeister machte die Ausbildung zum Handweber im heimischen Betrieb. 1992 schafft er die Meisterprüfung und übernahm 1997 den Betrieb. „Ich war schon immer stolz, sagen zu können, dass mein Vater Weber ist.“ Ein anderer Beruf wäre für ihn nicht in Frage gekommen. Auf der Berufsschule lernte er seine Frau Elke kennen; zwei Söhne haben die Lichts mittlerweile – Johannes und Lukas. So spricht doch einiges dafür, dass sich der rote Faden der Familie Licht irgendwann einmal sogar über drei Generationen ziehen könnte…

 

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