Das Comeback des Bungalows

Ein Neubau? Nein, ein vollständig sanierter Bungalow aus den Sechzigerjahren – edel gestaltet und mit regenerativer Energieversorgung ausgestattet.

Erst geliebt, dann gehasst, jetzt wieder Objekte der Begierde. Nach einer wechselvollen Karriere sind die attraktiven Flachbauten heute wieder modern und begehrt – aus vielen guten Gründen.

In den Sechzigerjahren war der Bungalow ungeheuer beliebt: elegant und schnittig, der Inbegriff von Modernität. Er hatte echte Ikonen der Architekturgeschichte als Vorbilder: das „Glass House“ von Philip Johnson etwa oder das „Farnsworth House“ von Ludwig Mies van der Rohe. In Bonn wurde 1963 der „Kanzlerbungalow“ errichtet, und in Quickborn bei Hamburg gestaltete der berühmte Richard Neutra gar eine ganze Siedlung dieses Haustyps.

Aber dann leckte es in immer mehr Häusern durch die Decke, weil die Flachdächer undicht wurden. Mit der Ölkrise 1973 war der Ruf des Bungalows komplett dahin: Aufgrund ihrer besonders großen Außenflächen im Verhältnis zur Wohnfläche waren sie extrem teuer zu beheizen. Das Schicksal dieses Haustyps schien besiegelt.

Das Comeback dank technischen Fortschritts

Aber mehr vierzig Jahre später ist er wieder da – und legt nicht nur in Architekturmagazinen, sondern auch bei Hausherstellern und Architekten ein eindrucksvolles Comeback hin. Man baut wieder flach und großzügig – wie kommt’s?

Der technische Fortschritt macht es möglich. Dank hochwirksamer Wärmedämmung und Fenstern, die einen besseren Wärmeschutz bieten als früher jede Außenwand, genügt die energetische Qualität auch den heutigen strengen Anforderungen. Neue Technologien fürs Dach haben zudem das Problem der Leckagen erledigt. So stehen jetzt die unbestreitbaren Vorteile des Bungalows wieder im Mittelpunkt und davon gibt es einige.

Die Vorteile des Bungalows

Großzügiges Lebensgefühl: Auf einer Ebene fühlen sich 120 Quadratmeter einfach viel größer an als auf zweien. Und die bodentiefen Fenster erweitern den Raum in den Garten hinein.

Barrierefreiheit: Keine Treppe ist zu überwinden, um in andere Räume zu gelangen – ein Segen für Familien mit kleinen Kindern und Menschen mit Handicap.

Flexible Raumaufteilung: Da in einem Bungalow nur wenige Zimmerwände tragende Funktion haben, kann der Grundriss auch nachträglich leicht verändert werden.

Praktische Aufteilung der Lebensbereiche: Eltern-Trakt, Wohnbereich, Kinder-Trakt, vielleicht ein Home-Office – auf einer Ebene lassen sich diese Bereiche sehr gut voneinander trennen.

Mehr Helligkeit dank Oberlicht: Im Unterschied zu früher, wo vor allem in größeren Bungalows Bereiche mit wenig Tageslicht entstanden, können heute bestens gedämmte Oberlichter nicht nur für mehr Helligkeit sorgen, sondern auch für wunderbare Ausblicke in den Himmel.

Ein Highlight – der Innenhof: Bei entsprechender Planung können in einem Bungalow Bereiche im Freien entstehen, die vollkommen geschützt sind vor den Blicken der Nachbarn. Sie werden automatisch zu Lieblingsplätzen.

Und die Nachteile

Ja, Nachteile gibt es auch. Wer einen Bungalow aufs Grundstück stellt, hat hinterher weniger Garten übrig als bei einem zweigeschossigen Haus mit derselben Wohnfläche. Zudem treibt das Verhältnis von Außen- zu Wohnfläche die Baukosten – und mutmaßlich auch die Heizkosten – nach oben. Um wie viel, sollte man sich freilich ausrechnen lassen. Und dann wohlwollend prüfen, ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht doch für den Bungalow spricht.

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