Ein guter Jahrgang!

Hängematte statt Sofa: Unkonventionelle Lösungen sind hier die Regel.

Der Rebstock als Vorbild, weil er wenig Platz benötigt und bei guter Pflege über viele Jahre gute Ernten verheißt: So entwarf und realisierte das Schweizer Architekturbüro L3P im Umland von Zürich einen faszinierenden Solitär zum Wohnen.

Je schwieriger das Gelände, umso bedeutender der Wein – diese Regel kennen wir. Und sie lässt sich ganz gut auf die Architektur übertragen. Denn eine Villa auf ein schönes Parkgrundstück stellen, kann jeder halbwegs begabte Planer. Aber in einem Baufenster von gerade mal 5 mal 9 Metern, die überirdische Wohnfläche auf maximal 83 Quadratmeter begrenzt, ein attraktives, lebenswertes Wohnhaus zu errichten, erfordert echte Meisterschaft. Im Kanton Zürich, genauer: in der Gemeinde Regensberg, lässt sie sich begutachten.

Schon dass an diesem Standort heute ein Wohnhaus steht, ist dem Mut und der Fantasie der Architekten von L3P zu verdanken. Das Grundstück galt als praktisch nicht bebaubar. Aber die Planer ließen nicht locker, kauften es und entwickelten das Modell eines höchst individuellen Solitärs. Erst versagte man ihnen die Baugenehmigung, bis schließlich ein Gutachten der Natur- und Heimatschutzkommission des Kantons den Durchbruch brachte.

Die Skepsis der Behörden ist einerseits verständlich, denn hier ist praktisch so ziemlich alles anders als in herkömmlichen Wohnbauten. Das beginnt beim Eingang, der durch das in den Hang hineingebaute Carport zu erreichen ist, über die Zahl der Wohn- und Nutzbereiche – nicht weniger als 22 auf drei Geschossen – bis zur Art, wie sie sich erschließen: in jeweils um ein paar Stufen versetzter Anordnung der Ebenen, die man im Uhrzeigersinn erklimmt. Faszinierende Ein- und Durchblicke entstanden auf diese Weise, auch nach draußen, wo mächtige Kirschbäume die Landschaft schmücken.

Ja, und dann noch die Sache mit dem Rebstock: Er war den Architekten von L3P die zentrale Inspiration. Das Tragwerk aus dunkel gefärbtem Sichtbeton, tief im Hang verankert, entspricht dem Stock selbst und dem Geäst, die vorgehängten Fenster sind gleichsam die Trauben. Es sind viele, nicht weniger als 58 in unterschiedlichsten Formaten. So erklärt es Boris Egli, Partner von L3P. Ein wenig Fantasie muss der Betrachter schon mitbringen, um die Analogie zu erkennen. Aber längst nicht so viel wie die Architekten, als sie dieses so schwierige Gelände für die Baukultur urbar machten.

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