Mit virtueller Hilfe zum schöneren Raum

Passt das neue Eichenparkett zu den Möbeln? Mit dem Bodenplaner von HARO lässt sich das leicht überprüfen.

Es macht am meisten Spaß, gehört aber auch zu den schwierigsten Aufgaben beim Einrichten – die Wahl einer neuen Kombination von Farben, Materialen und Möbeln. Da Aufwand und finanzieller Einsatz häufig groß sind, wünscht man sich eine sichere Entscheidungsgrundlage. 3D-Raumplaner im Netz sowie Apps können eine Hilfe sein. Aber man sollte auch um ihre Grenzen wissen.

Der Abschied von der weißen Raufaser als Standard des Einrichtens hat unser Leben zwar bunter und vielfältiger gemacht, aber nicht unbedingt leichter. Denn jetzt sehen wir uns auf einmal mit völlig neuen Fragen konfrontiert: Passt dieses wunderbar mokkafarbene Sofa eigentlich auf das Eichenparkett, das ich mir fürs Wohnzimmer wünsche – und sollte die Wand dahinter lieber in sanftem Grau oder, mutig mutig, dunkelrot gestrichen werden? Das wüsste ich doch gerne, bevor ich loslege.

Weil viele Hersteller diese Nöte ihrer Kunden gut kennen, stellen sie ihnen immer bessere 3D-Raumplaner kostenlos zur Verfügung, entweder im Netz oder auch als App. Wer diese Versuche, fotorealistische Animationen von Räumen zu erstellen, schon viele Jahre verfolgt, kann nur staunen, was mittlerweile möglich ist. So lassen sich etwa im ColorDesigner von Alpina sogar die Wandflächen eigener Fotos im gewünschten Ton einfärben.

Sehr hilfreich auch das HARO Bodenstudio. Hier wähle ich aus sechs Räumen, vom Wohn- übers Kinderzimmer bis zur Küche, den aus, den ich verändern will, kann mich für einen von fünf Einrichtungsstilen entscheiden, habe nicht weniger als über 500 Bodenbeläge zur Auswahl und kann sie anschließend mit unterschiedlichen Wandfarben kombinieren. Besonders coole Funktion: Zwei Varianten sind direkt auf dem dann geteilten Bildschirm miteinander vergleichbar. Die Entscheidung ist gefallen? Dann hilft der Flächenrechner zu kalkulieren, wie viele Pakete des ausgewählten Bodenbelags gebraucht werden.

Je komplexer die Aufgabe, umso aufwendiger die Planung. Das gilt zumal, wenn es um eine neue Küche oder ein neues Bad geht. Das ist mit virtueller Hilfe zum Beispiel für Küchen bei Alno, KüchenQuelle, Ikea, Nolte und anderen Herstellern möglich, für Bäder bei Villeroy & Boch, Duravit, wiederum Ikea, aber auch Baumärkten wie Hornbach. Hier kann ich einen Grundriss anlegen und dann die jeweiligen Objekte an der richtigen Stelle platzieren. Das Ergebnis wird dann in 3D präsentiert, sodass ich mir meine zukünftige Küche, mein zukünftiges Bad schon mal anschauen kann. Ja, bei KüchenQuelle schicken sie einem sogar ein Angebot für das, was selbst geplant wurde.

Aber wie realistisch ist, was am heimischen Rechner entsteht? Hier möchte ich vor zu viel Optimismus warnen. Wir alle neigen dazu, Räume größer wahrzunehmen, als sie sind, und werden von scheinbar naturrealistischen Animationen dazu verleitet, enger zu planen, als für einen Raum gut ist. Wer einmal gesehen hat, wie eng im Fotostudio die Möbel platziert werden, um kraftvolle Aufnahmen zu schaffen, der weiß: Fürs eigene Wohnzimmer taugen diese Inszenierungen nur sehr bedingt! Und dasselbe gilt für Möblierungen, die am Bildschirm entstehen. Wo auf dem Ausdruck allemal genug Platz zu sein scheint, fühlt man sich in der Realität bös’ bedrängt.

Was das fürs Planen bedeutet: Eine erste Inszenierung mit Rechner, Tablet oder Smartphone ist ein wunderbarer Einstieg. Sie macht Spaß, öffnet weit das Fenster der Möglichkeiten und fördert die Kreativität. Wenn’s aber konkret wird, sind Fachleute und die sinnliche Erfahrung im Boden-, Küchen- oder Badstudio unverzichtbar. Wer weiß schon, welche Details, welche speziellen Lösungen im Küchenschrank oder für die bodentiefe Dusche ungeahnte Vorteile bringen? Und wie gut sich ein hochwertiges Parkett anfühlt, welche Vorteile ein Laminat- oder Designboden hat?

Und nichts geht über das eigene Erleben. Also: mit Zollstock in den Raum stellen und die Proportionen der Möbel mit Malerkrepp auf den Boden kleben. Wirkt zu eng? Dann lieber etwas weglassen. Sieht gut aus? Dann kann’s losgehen.

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